ich lasse extra etwas frei,
um den Leser darauf hin zu weisen,
das der nachfolgede Eintrag
mitunter
von Krebs und Chemo handelt.

ich überlasse es jedem selbst,
nach unten zu scrollen
oder die Entscheidung zu treffen,
nein,
ich möchte das nicht lesen.

egal,
wie die Entscheidung fällt,
es ist mir einerlei,
wie ihr entscheidet.

ich hab dich lieb.

jeden einzelnen,
der mich mitunter in den letzten ü10 Jahren virtuell begleitet.
jeden einzelnden.
<3

das Krebs ein *rschloch wissen wir nicht erst seit gestern.
da meine Blutwerte eher in den Keller gingen, hatten wir Anfang Februar beschlossen, das ich meine Chemo angehe.
ja, ich hab sogar freiwillig gesagt "ich will" weil ich mein Leben so nicht mehr als "schön" empfunden habe.
die Lebensqualität war verloren gegangen
stattdessen sass eine launische und ständige müde Frau auf der Couch
das wollte ich nicht mehr
ich wollte zurück ins Leben

Freunde, Verwandte, Bekannte … haben sehr untersciedlich auf die Nachricht "Chemo" reagiert
so gesehen hatte die Chemo auch schon im Vorfeld ihr gutes
sie trennt tatsächlich die Spreu vom Weizen

aber es haben sich auch neue Freundschaften dadurch ergeben
das fand und finde ich immer noch sehr interessant …

mit meiner Ärztin hab ich auf jeden Fall eine gute Wahl getroffen
sie hat viel recherchiert, um mir das Medikament heraus zu finden, welches so wenig Nebenwirkungen hat, wie nur eben möglich ist

die Chemo an sich war unspektakulär
von Montag bis Freitag wurde ich ganz (dekadent) mit dem Taxi zum Krankenhaus gefahren
dort habe ich Platz gefunden zwischen den anderen Krebspatienten, die auch gerade ihre Chemo bekamen
meist musste ich n Stunde warten, gerne auch mal länger, bis meine Ärztin Zeit hatte, um mir die Bauchspritze zu geben
danach hatten wir noch n kurzen Smalltalk und dann bin ich wieder, nach einem Anruf, von dem Taxi abgeholt worden
die Wartezeit wurde überbrückt durch zwei WhatsApps und zwei Anrufe

zuHause war ich mehr als froh, das meine Eltern da waren
sich um die Kinder gekümmert haben
und mir auch was zu Essen gemacht haben

Mittwoch fing es dann an
mit der Übelkeit
Donnerstag kam noch Erbrechen hinzu
Freitag hatte ich null Motivation für die letzte Spritze

das Wochenende und die paar Tage danach
hab ich hauptsächlich mit Schlafen verbracht

Montag ging es nochmal ins Krankenhaus
diesmal fuhr der Gatte mich, da er ab jetzt zu Hause war
ich bekam Blut abgenommen und gegen Abend einen Anruf von meiner Ärztin über die paar Blutwerte

leider schlichen sich auch ein paar Entzündungswerte mit ein
das bereits Dienstag klar war, das ich ins Krankenhaus gehen müsste
stationär und isoliert

Mittwoch war es dann soweit
und ich hatte einen sehr fähigen AssistensArzt an meiner Seite, der meine nicht ganz einfachen Humor einfach hinnehmen musste
am Mittwoch bekam ich dann auch gleich noch etwas Fremdblut (Drakula Witze lassen grüssen!)

meine Familie durfte mich jeden Tag besuchen kommen
meine Eltern kamen abwechselnd mit dem Gatten und der Kinder (aus Platzgründen im Auto)

Freitag durfte ich bereits durch die Klinik gehen
dh. Caferteria und leider sauleckeren Kuchen
während meine Mutter mehr als 1 Kg zunahm, hat die Chemo mir ein – 2 kg auf der Waage beschert.
Wuhuu!

bereits am Samstag brachte der Gatte mir mein Strickzeug mit
tatsächlich hatte ich seit längerem nicht mehr wirklich die Lust und den Elan am stricken gehabt
aber auch das änderte sich

meine Milz, am Mittwoch noch gut zu ertasten, schrumpelte sich nach und nach auf Normalgrösse
und war bereits 6 Tage später nicht mehr wirklich zu finden

und Mittwoch sprach mein AssistensArzt bereits davon, das ich in den nächsten Tagen nach Hause fahren könnte
und so war es einen Tag später auch
der einzige Tag im übrigen, den der Gatte mal alleine zu mir kommen wollte …
stattdessen überraschten wir Oma, Opa und die Kinder beim nachmittags Spaziergang.

Während ich im Krankenhaus grosse Probleme hatte mit den zwei Wörtern "Krebs" und "Chemo"
(tatsächlich lies ich sogar jemanden zu mir kommen, der mit mir darüber sprach)
ist das tatsächlich nicht mehr allgegenwärtig zu Hause …

die neue Blutwerte waren bereits am letzten Tag im Krankenhaus besser als im Dezember/Januar
und jetzt springen sie alle, Stück für Stück in den Normalbereich

aber ich nachdenklicher geworden … durch die Chemo …
ich stelle es jeden Tag aufs Neue fest, wenn der Gatte mir ein Kinderfrei am Tag ermöglicht

diese Ruhe brauche ich noch
denn nächste Woche beginnt mein Alltag mit den Kindern
die Grosse hat noch Schulferien und die Kleine kommt nach den Ferien in den Kindergarten

ich hab etwas Angst, ja, vor dieser KinderVielZeit
aber ich weiss im Hinterkopf, das ich es irgendwie wieder schaffen werden
den normalen Alltag
mit rumblödeln, lachen, zanken, weinen, Pämpers frisch machen, waschen, kochen und endlich wieder einkaufen fahren …
ja, das ist in der Tat etwas was ich sehr vermisse, einkaufen fahren
auch wenn der Gatte mich bereits in den letzten Tagen drei mal mitgenommen hat
ist es für mich etwas anderes, in "meinen" Laden zu fahren
wissen, wo alles steht (hoffentlich haben die jetzt nicht umgeräumt!)
und ganz selbstverständlich an den Produkten zu greifen, die ich meistens einkaufe

warum ich erst seit ein paar Tagen mit "darf" zum einkaufen, wird man sich vielleicht als Leser fragen …
nun, meine eigene Körperabwehr war aufgrund der Chemo ziemlich im Keller
und man macht sich vielleicht selten oder gar nicht die Gedanken, wer als letztes den Einkaufswagen gefahren ist
oder das man angehustet oder angeniest werden kann …

Rückblickend betrachtet, haben wir alles richtig gemacht
den Zeitpunkt und den Krankenhausaufenthalt

die Blutwerte sprechen bereits für sich

ich denke, es ist auch sinnvoll, hier und da immer wieder mal zu schauen, mit wem man wie befreundet ist
denn ich glaube, nicht wird unterschiedlicher definiert als Freundschaft (oder auch Familie)

denn während Bruder 2 sich eher darüber aufregt, das meine Eltern derzeit springen, wenn ich Piep sage
hat sich Bruder 1 (oder auch Padi1) weder vor, noch während, noch nach der Chemo mal das Gespräch zu mir gesucht
Menschen, die sich vorher auch durch Herzwärmer zu mir auszeichneten, fühlen sich derzeit eher wie eine Gefriertruhe an
Verwandte, die sich nur beim Gatten nach mir erkundigen (u.a. auch Mrs Perfekt, wobei sie sich dann doch zweimal durchgerungen hat, um sich dann auch mal persönlich mit mir zu sprechen)
Menschen, die selber null Plan von Chemo haben, aber mit dem Halbwissen anderer wieder versuchen, über den Weg des Gatten, mich in eine Richtung zu zwängen, wo ich nicht hinwill … (Hallo, Mrs Perfekt, toller Plan ehrlich, wirklich toller Plan … #ironie … aber tatsächlich nicht umgesetzt … #thihihi)
Menschen, die vorher nie den Eindruck machten, das sie sich um andere Sorgen … der Gatte der Halbfreundin, der sehr regelmässig immer beim Gatten nachgefragt hat, mit einer Herzwärmer, die seiner Gattin verloren gegangen ist …
Menschen, die tatsächlich aus eigener Erfahrung wissen, was es heisst. Die mir mit Rat und Tat zur Seite standen. (So schön!)

Den Krebs als solches nehme ich nicht mehr wahr
er wird noch irgendwo da sein, sicherlich. aber erstmal durch die Chemo gebremst.
und wenn ich merke, das dieser Gedanke wieder überhand nimmt, suche ich mir Hilfe. Im Moment geht es ohne wieder.

Aber die Chemo, die Chemo hat mich verändert, anders als die Schwangerschaften, wo ich irgendwann wusste, das ich neben Mutter auch noch Frau bin und irgendwann wieder sein werde.
Ich kann noch nicht sagen, inwieweit die Chemo mich verändert hat.
Ich weiss nur, das ich nicht mehr zurück switchen kann, zu diesem Menschen, den ich vorher war …
ich kann auch nicht sagen, ob diese Veränderung für mich gut ist oder nicht. inwieweit andere damit klar kommen werden oder halt auch eben nicht.

als ich mich damals von "meiner" Community abgewandt habe, und zwar rigeros von allen, war es damals die richtige Entscheidung für mich.
es ging mir danach besser.
heute bin ich froh, das ich ein, zwei "Mädls" von damals in meiner TL wieder begrüssen durfte
sie tun mir gut. damals vermutlich auch schon, aber ich hab das irgendwann nicht mehr gesehen …

überhaupt hab ich so eine tolle TL … bei Twitter, bei Instagram
jeder einzelne hat mir gut getan
jedes Worte
jedes Herz

ohne EUCH da draussen, hätte ich es nicht so gut geschafft
reicht da ein kleines und vielleicht banales "DANKESCHÖN" überhaupt aus?

ich weiss es nicht so genau
ich weiss nur, das mir so alles gut getan habt, was ihr gemacht, geschrieben und geherzt habt.
IHR SEID DIE BESTEN

dankeschön für alles
Hab Euch lieb!
Sehr! <3

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