„geht es dir nicht gut?“ fragte Schwiegermutter Freitag Vormittag, gegen 11:00
während ich noch mit dem Atmen und dem Schlucken kämpfe, kommt ein ‚Nein‘ heraus
‚meine Nichte hatte einen _schweren_ Schlaganfall‘
„ahso.“

ich wollte wissen, ob ich die Kinder nachmittags evtl vorbei bringen können
da ich noch überhaupt keinen Plan hatte, wie der weitere Tag verlaufen würde
ich wollte mir diese Option offen halten

tatsächlich hab ich sie genutzt
und hab den Nachmittag zum durchatmen gebraucht
das was in meinem Kopf in dem Moment vorging
zu verstehen?
vom verarbeiten bin ich selbst jetzt noch entfernt

die Tränen kommen immer wieder hoch
oft unkontrolliert
ich kann nichts dafür
ich bin nun mal so
ich hab Gefühle

„hast du dich wieder etwas beruhigt?“ wollte meine Mutter am Freitag nachmittag wissen
„du warst ja heute morgen schon sehr aufgeregt“
Entschuldigung
ich bekomme nicht jeden Morgen um kurz vor 8:00 die Neuigkeit, das jemand aus meiner Familie einen _schweren_ Schlaganfall erlitten hat, vor dem ersten Kaffee serviert.
die Tatsache, das meine Mutter bereits morgens vor 8:00 einen „Vorsprung“ von ungefähr 12 Stunden mit dieser Nachricht hatte und daher Zeit hatte, ihr „Schutzmäntelchen“ anzuziehen, ist eine andere Geschichte.

allein die Worte „_schwerer_ Schlaganfall“ muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen
mit 27

Freitag vormittag war ich faul.
zumindest was meinen Haushalt und die tägliche Dinge wie Sport machen angeht
stattdessen hab ich im Internet recherchiert
mit der Mutter des Freundes telefoniert
– sie hatte den Schlaganfall im Krankenhaus –
das war soweit schon mal „gut“ und vllt das Quentschen Glück, das sie gebraucht hat
ich bekam Informationen aus zweiter Hand

ausserdem rief ich ihre Mutter an
zu der ich das letzte Mal vor vermutlich über 26 Jahren gesprochen habe
mehr muss ich dazu wohl nicht sagen, da die Jahreszahl für sich alleine spricht

ich bekam Informationen aus erster Hand
auch wenn es sich seltsam anfühlte, als sie von „ihrer Prinzessin“ sprach, weil einfach 26 Jahre Lücke zwischen uns klafft, aber durch die Geschichten von meiner Nichte, weiss ich leider auch, was vieles so „schief“ gelaufen ist in der Kindheit meiner Nichte, vielleicht hört sich das „Prinzessin“ auch deswegen so komisch an …
meiner Mutter passt es nicht, das ich mit der Mutter gesprochen habe.
ja, die Mutter hat Fehler gemacht, meinen ELtern gegenüber, meinem Bruder gegenüber, vllt auch mir gegenüber. Aber ich bin auch nicht fehlerfrei. und was bleibt, ist tatsächlich die Tatsache, das sie nun mal die _Mutter_ ist. an diesem Punkt kann man tatsächlich nicht rütteln. Punkt.
mein Bruder hat noch sehr viel offenes aus der Vergangenheit. vieles, was ihn heute immer noch tief verletzt. aber er machts nichts als Vorwürfe zu verteilen, die „Schuld“ auf andere zu übertragen. die Fehler, die er gemacht hat, sieht er nicht. will er nicht sehen, oder kann er nicht sehen.

mir tat das Gespräch mit der Mutter gut.
sie fing zwar auch an, über meine Eltern und über meinen Bruder zu reden, aber ich sagte ihr auch, das ich dazu lieber nichts sagen möchte.
es sind alte Geschichte, die ich jetzt nicht aufwärmen möchte.

im Welchsel mit der Mutter des Freundes und ihr, bekam ich am Freitag Neuigkeiten aus dem Krankenhaus

am Samstag wollte die Mutter mit ihrem Mann „hoch“ fahren.
mein Bruder mit seiner Freundin auch.

dadurch das der Anfahrtsweg ungefähr 200km ist, bekamen sie ausserhalb der Besuchszeiten die Möglichkeit, meine Nichte zu sehen.

worüber ich mich gestern am meisten geärgert hatte war die Tatsache, das mein Bruder mich am „langen“ Arm mit Neuigkeiten verhungern ließ.
mir hätten Statusmeldungen gereicht wie, wir hatten ein Gespräch mit dem (Ober)Arzt. wir fahren jetzt (17:00) los. es ist unverändert. sie reagiert auf Ansage, sie kann alleine atmen, sie schläft viel, usw.

um 19:45 rief meine Mutter dann an, und reichte mir dann den Höhrer an die Freundin meines Bruder weiter, da mein Bruder selber nicht in der Lage ist zu telefonieren.
das ich mit besagter Freundin noch ein Missverständnis seit einem halben Jahr offen habe, über das ich mit ihr am Dienstag sprechen wollte, lass ich mal dahin gestellt.
ich bekam von ihr nun zu hören, wie die Lage war. meine Fragen konnte sie weitesgehend hin beantworten.
lies aber auch durchscheinen, das sich die Mutter meiner Nichte beim Arztgespräch vordrängelte und diese über 1 Stunde beanspruchte.
scheinbar war weder mein Bruder noch sie in der Lage, die alten Konflikte einfach mal beiseite zu legen und einfach nur mal _nachzufragen_
ich glaube kaum, das die Ärzte von der Intensiv Zeit haben, sich mit jedem aus der Familie auseinander zu setzen und jedes Mal das gleiche zu erzählen. Allein mit dem Gesprächen, wäre fast der Arbeitstag rum und sie könnten sich tatsächlich nicht mehr um die Patienten und damit um ihre eigentliche Aufgabe kümmern.

jedenfalls hat mein Bruder und seine Freundin dann den Oberarzt um Auskunft gebeten. Was dieser auch gemacht hat.

Am Mittwoch fährt mein Bruder wohl wieder hoch und hat dann wohl auch einen Gesprächstermin mit dem Arzt.

was mich daran schon wieder nervt ist, das die „Gesprächskette“ hier in dem Fall wg der alten Konflikte nicht möglich erscheint. auch wenn der Gatte meine Gedanken aussprach, in dem er sagte, das er hofft, das sich jetzt im Denken der anderen etwas ändert, weil eben jetzt tatsächlich was passiert ist, aber ich denke, hier wird auch das auch nur ein „Wunschgedanke“ bleiben.

denn am Dienstag hatte ich meinen Bruder angeschrieben, das ich gerne mit ihm reden würde. und dabei kam er auch auf das o.g. Missverständnis zu „sprechen“. das „Stille Post“ Spiel. zeitgleich hatte ich mit meiner Nichte geschrieben um sie da auf dem laufenden zu halten, weil sie auch gerne mehr Ruhe hätte, wozu mein Bruder bis zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage war.
bei diesem „Stille Post“ Spiel, spielt besagte Nichte leider auch eine Rolle.
überhaupt ist mein Bruder sehr unglücklich, das ich zu meiner Nichte seit mehr als einem Jahr einen so zahlreichen und vielfälltigen Kontakt pflege.
das wäre wohl jeder, wenn man wüsste, was alles über _mich_ gesagt wurde.
wenn ich mit dritten über die gesagten Aussagen spreche, ohne Wertung meinerseits, kommt eins immer wieder zum Vorschein. Neid. Eifersucht.
„ich kann nichts von anderen annehmen“ war eine der Aussagen.
letztes Jahr sprach ich mit meiner Nichte darüber, das ich ungerne zu meinen Eltern fahre, weil ich mich da einfach nicht mehr wohlfühle.
sie erzählte mir, das mein Bruder und seine Freundin darüber diskutieren, das ich seitdem Einzug der Freundin weniger zu meinen Eltern fahre.
„versuch doch einfach wieder öfter hinzufahren“ sagte sie.
seufzen. stöhnen. meinerseits.
na gut.
ich machte es. ich fuhr zu allmöglichen Dingen wieder zu meinen Eltern.
bei jedem meiner Besuche, musste mein Bruder und/oder seine Freundin, sich mit dem Hund in eins ihrer zwei Zimmerchen zurückziehen, da die Kleine eine grosse Angst vor dem Hund hatte.
das ist nun mal so. und da helfen auch keine Worte von den anderen „der tut nix“ „der will nur spielen“ blablabla
ja nee, ist klar ne? wenn mir ein Hund in die Augen gucken könnte, ich bin 1,62m „gross“ dann hab ich heute noch Angst.

Scheinbar nahmen meine Besuche nun „Überhand“ und so entschloss man sich, sich jetzt doch was „eigenes“ zu suchen. was sie nun auch im September gemacht haben.
ich weiss noch, als ich meinem Umfeld darüber erzählte, das die Freundin bei meinem Bruder im Haus meiner Eltern einzieht und mir jeder sagte, da ziehen die nicht mehr aus.
ich glaubte keinem. falsch gedacht.

da ich mich gedanklich immer noch mit meiner Chemo beschäftige, was Sinn macht, wenn ich diese Erfahrung verarbeiten möchte, muss ich mich ja auch den unangenehmen Dingen aus dieser Zeit widmen. den Sprüchen meiner Brüder, den Sprüchen der Freundin meines Bruders, dem Desinteresse und dem „Stillen Post“ Spielchen.
meine Nichte meinte noch Dienstag abend zu mir, „bist du dir sicher mit dem was du da tun willst? ich will nicht, das du verletzt wirst durch meinen Vater.“
ja, ich weiss genau, was ich da tun will. wollte. den aufgrund der neuen Ausgangssituation ist es auf der einen Seite leichter, meinem Bruder zu erklären, das ich eben nicht, wie er behauptet „Friede, Freude, Eierkuchen“ haben will. das so Dinge wie ein Schlaganfall immer und bei jedem passieren kann. das ich seine Wahrheit wissen will und ihn mit meiner konfrontieren möchte, das wir die Dinge klären. das wenn sowas bei ihm passieren sollte, ich mit einem reinem Gewissen ins Krankenhaus fahren kann, weil wir uns endlich einmal ausgesprochen haben.
auf der Seite weiss ich gar nicht, ob er noch die Zeit und die Muße hat, sich einem Gespräch mit mir zu stellen.
in diesem Fall muss ich auch im Warten üben.
die Freundin meines Bruder hatte trotz der eigenen Ansage am Mittwoch keine Zeit und/oder Lust, sich einem klärenden Gespräch zu stellen.
ok. dann nicht. wer nicht will, der hat schon.

ich würde mir nur wünschen, das die Freundin und auch mein Bruder, mich jetzt nicht am „langen Arm verhungern lassen“ und ihre „Spielchen“ so treiben, das ich bei Neuigkeiten einfach ausgeschlossen werde. wg der Missverständnisse. wg den Problemen zwischen uns.

gestern vormittag rief mich die Freundin von Schwiegermutter an
sie merkte mir sofort an, das was nicht stimmte und ich erzählte.
hier bekam ich das erste mal eine echte und ehrliche Reaktion.
gefühle.
ausgesprochen.
mit_gefühl.

es tat gut.
es tat einfach nur gut.
und auch die Nachricht von meiner Freundin von Freitag abend.
„ich hab dich lieb. so wie du bist.“

so bin ich halt.
mit gefühl.

sofern noch jemand diese letzten Worte hier liest, danke. danke fürs lesen.
Twitter hat mich gestern und vorgestern getragen.
über jedes einzelne Wort hab ich mich gefreut.
über jedes einzelne Herz.
auch wenn ich nur ein „danke“ zurück geschrieben habe, weil ich oft vor Tränen die Buchstaben nicht mehr richtig lesen konnte.
danke.

vielleicht hab ich da weiter oben zu viel Text.
zu viele Worte.
aber in 140 Zeichen passt nur das notwendigste rein.
vielleicht ist es auch verworren geschrieben. das man es als aussenstehender nicht mehr verstehen kann.
ich wollte es mal alles raus lassen. festhalten. für mich. schriftlich. das ich in meinem Köpfchen mal ein bisschen Platz bekomme.

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